Von guten Menschen …

Gar nicht so einfach über die derzeitige politische Situation in Deutschland (und auch in anderen Teilen Europas) etwas zu schreiben. Aber das Gefühl, dass sich das Land, in dem ich bisher wirklich gerne lebe, wieder zu etwas entwickelt, das ich glücklicherweise nur aus Büchern, von Gedenkstätten und aus Erzählungen älterer Generationen kenne, macht mir Sorgen. Umso erfreulicher fand ich daher die vielen Beiträge der Blogparade von Anna Schmidt, zu der ich gerne auch meine Gedanken beitragen möchte.

Was mir große Sorgen macht, ist der offene und tiefe Hass, der derzeit an vielen Ecken und Enden zum Vorschein kommt. Und ich habe mir schon öfter die Frage gestellt, was schief gelaufen sein muss, um solch einen Hass auf andere Menschen, Lebenseinstellungen oder Meinungen zu haben (egal ob rechts, links oder bei religiösen Fanatikern).

Dieses Beschimpfen, Beleidigen, Bedrohen ist längst kein Phänomen der digitalen Welt mehr, wo viele ja bereits seit längerer Zeit ihrem/ihrer Zorn/Hass/Wut/Unzufriedenheit freien Lauf lassen. Diese Stimmung hat es auf die Straße geschafft, in die Medien und nun im letzten Schritt auch in die Parlamente. Und selbst wenn man sämtliche Arten von Informationskanälen konsequent ignorieren würde, hätte man nahezu keine Chance, sich dem ganzen zu entziehen. Es kann also am Ende keiner behaupten, er hätte es nicht mitbekommen, wohin die Entwicklung gerade geht.

Wirklich traurig finde ich in dieser Situation, dass nur die Schreihälse, die Lauten, die Besorgten gehört werden. Das sind die, die das Ende Deutschlands kommen sehen, Islamisierung und Kulturverlust befürchten und zurück in die Zeit der Stacheldrahtzäune und Abschottung wollen.

Kaum einer aber spricht über die, über die es wirklich Wert wäre zu sprechen. Das sind die, die nicht laut schreien und sich beklagen, sondern im Moment das tun, was am wichtigsten ist: HELFEN und Dinge anpacken. Diejenigen, die sich der Herausforderung stellen, Lösungen suchen, Menschlichkeit zeigen und Not lindern wollen. Von diesen „Gutmenschen“, wie sie in rechten Kreisen (und leider auch außerhalb dieser) verunglimpft werden, hört/liest/sieht man meist nur etwas, wenn sie aufgrund ihres Engagements beschimpft oder bedroht werden, aber nicht, wenn sie wieder ihre Feierabende und Wochenenden geopfert haben, um anderen Gutes zu tun, ganz ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Ohne diese vielen guten Menschen, über die keiner redet aber von denen viele profitieren, würden wir in einem traurigen Land leben. In einem Land bzw. einer Welt, das bzw. die nur noch aus Egoismus, Vorurteilen, Misstrauen, Neid, Abschottung, Missgunst und am Ende auch Gewalt besteht. Ohne diese Menschen würden es nicht nur keine Hilfe für Flüchtende und Vertriebene geben, ohne diese Menschen gäbe es auch viele andere gemeinnützige Projekte nicht (Projekte wie die Tafel, Kinder- und Jugendgruppen, Krankenhaus-Clowns, Senioren-Angebote, vielleicht auch Sportvereine und vieles mehr). Es würde an Empathie fehlen, an Menschlichkeit und am Ende auch an Gemeinschaftsgefühl. Eine Atmosphäre, in der ich nicht leben möchte, und hoffentlich meine Kinder auch nie leben müssen.

Ich hatte das Glück, bisher ohne Krieg, Verfolgung, Not und Angst leben zu dürfen, die meisten anderen hatten das nicht, auch meine Eltern und Großeltern nicht. Aber ich bin dadurch nicht besser oder wichtiger als irgendein anderer Mensch auf dieser Erde, ich hatte eben einfach bisher Glück. Umso schöner finde ich es, wenn ich anderen ein Stück davon abgeben kann. Und da reicht es eben manchmal schon, einfach nur freundlich und vorurteilsfrei empfangen zu werden oder ein wenig positive Aufmerksamkeit zu bekommen.

Und wenn man vielleicht jetzt nicht herauslesen konnte, was ich mit meinen Text sagen wollte: Danke an alle, die sich trotz aller Schwierigkeiten und Hass der Herausforderung stellen, anpacken und den vielen Menschen in Not helfen und damit mit schon viel mehr erreicht haben als die ganzen Beschimpfungen, Verschärfungen, Vorschriften und Beleidigungen.

 

 

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2 Gedanken zu “Von guten Menschen …

  1. Die Antwort auf die Frage, was bei manchen schief gelaufen ist, die so einen Hass verbreiten, so wenig Mitmenschlichkeit zeigen, so fantasielos in die Zukunft blicken, würde uns so manch hilfreiche Aspekte liefern, was wir anders machen könnten um mehr Einigkeit zu schaffen. Denn die Antwort derjenigen, die helfen ohne zu fragen, ohne etwas zu erwarten und ohne zu werten, ist meist einfache Menschenliebe, Offenheit und eine natürliche Neugier in Fremdes. Die, die helfen sind leiser, bescheidener und doch erreichen sie weit mehr als alle anderen! Schön, dass es sie gibt! Schön, dass sie im Mittelpunkt deines Beitrags stehen! Berlin grüßt München – danke für deinen Beitrag!

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